Januar 2013 PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Siegmar   

Banff, den 13.2.2013

Ich bin hier in einem Zentrum, das die allerbesten Arbeitsbedingungen für Kulturschaffende bieten kann. Das Banff-Centre ist wunderschön mitten im Nationalpark in den Rocky Mountains gelegen. Man hat schon beim Frühstück den Blick auf ein unglaubliches Panorama. Auf dem Weg vom Frühstück zu den Arbeitsräumen trifft man manchmal ein Reh, das gemütlich die Blumenbeete abknabbert. Große Studios mit Tanzboden laden dann zum Arbeiten ein oder man geht in einen der Sitzungsräume und hat dieses Bild einer typischen kanadischen Arbeitssituation vor Augen. Jeder sitzt vor seinem Laptop und schreibt oder sucht irgendetwas, während gleichzeitig eine weitere Kommunikation vor sich geht.
Ich bin hier bei einer „Blauhelmmission“, wie mein schottischer Kollege Jan Paul bemerkt.
Wir sind die europäischen Beobachter einer sehr besonderen Schöpfung.
Die künstlerische Auseinandersetzung mit „Treaty Seven“, dem siebten und letzten Abkommen, welches die Briten mit den Indianerstämmen im südlichen Alberta im Jahre 1877 getroffen hatten.
In einer Gruppe von ca. 25 Personen sind mehrheitlich „First Nations“ vertreten. Es sind Künstler, eine Historikerin, Lehrer und zwei der „Ältesten“ im Arbeitsprozess dabei.
Das historische Material ist zweigeteilt: Es gibt die schriftliche Fassung des Abkommens, dessen Text nicht einmal ein englischer Muttersprachler versteht, es gibt einige Briefe und Dokumente und dann gibt es die mündliche Überlieferungen, die z.T. über viele Generationen noch jetzt von den Ältesten und deren potenziellen Nachfolgern erzählt werden. Überhaupt ist das für mich die große Entdeckung: Die Ältesten haben einen unglaublich großen Schatz an Geschichten, die sie bei jeder passenden Gelegenheit zitieren können, dazu kommt ein großartiger Humor, sodass jede schreckliche Geschichte am Schluss leichter verdaut werden kann. Und es gibt viele solcher Geschichten, über die Pockenepedemien, die den größten Teil der indigenen Bevölkerung dahin rafften, über die Whiskeyverkäufer, die sehr viele in die Alkoholabhängigkeit brachten, über das Abschlachten der riesigen Büffelherden und über die Residental-Schools, in die die Kinder zwangseingewiesen wurden, wo sie aus ihren Familien gerissen wurden, ihre Sprache nicht mehr sprechen durften und ihre Traditionen (Tänze Rituale, Musik, Religion) nicht mehr leben durften.
Es sind Geschichten, die sehr betroffen machen. Wir sind hier in Banff zusammengekommen, um erste theatralische Ansätze herauszuarbeiten, die dann in einer Präsentation auf einem Symposium in Calgary gezeigt werden. Dort werden auch wieder viele der „Ältesten“ anwesend sein und es bedarf ihrer Zustimmung, dass dieses gemeinsame Projekt überhaupt durchgeführt werden kann. Das gilt zumindest für diejenigen indigenen Künstler, die sich an die traditionellen Stammesstrukturen halten.

Bielefeld, den 26.1.2013

Der letzte Akt unseres Projektes, die letzten Durchläufe und die Premiere vom „Schlachtertango“ mussten ohne unsere Beteiligung stattfinden. Ich hatte doch tatsächlich auf Grund einer Zugverspätung meinen Flieger nach Calgary verpasst (Dieses Thema habe ich in einem Exkurs vertieft).

Ich hatte dann aber die Gelegenheit, einen Tag vor der Premiere einen kompletten Durchlauf von Andy via Skype zu sehen. Andy machte das sehr gut. Er hatte keine Aussetzer und der Text des deutschen Liedes war verständlich. Er sagte auch zu mir, dass er diese Pause über Weihnachten genossen hat und dass das Stück in ihm nun besser angekommen ist.

Ich hatte also ein gutes Gefühl für die Premiere.

Sie soll auch gut gelaufen sein und das Publikum war zufrieden.

Ich habe hier ein Protokoll von der Stagemanagerin Melissa eingefügt. Solche Protokolle gab es dann für jede folgende Aufführung. Bei der letzten Aufführung waren Zuschauer so ergriffen, dass Tränen flossen.

 

Schlachter Tango Show Report

Date: January 26, 2013

Start Time: 10:10

End Time: 10:54

Running Time: 43:24.0

House Count: 70

Weather: lovely and warm.

Notes:

What a wonderful opening!

The transition from People You May Know was a dream and we are so grateful to Bronwyn

for helping out.

There was some noise bleed from the bar but that is to be expected. I think it’s louder upstairs than down and I am listening for it more than the audience is.

Scott will tighten the puppet’s head tomorrow-­?it has gotten a little loose!

The audience was warm and receptive and asked Andy back for a second bow.

Andy was relaxed and his performance was excellent!

Prepared by: Michelle Kennedy

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 25. Februar 2013 um 21:42 Uhr