Briefe an Trotzki PDF Drucken E-Mail

Briefe an Trotzki

Eine szenische Collage von Yuri Birte Anderson


Foto: Tom Dombrowski

DarstellerInnen: 
hintere Reihe, von links nach rechts: Agnetha Jaunich, Lukas Pergande, Stefanie Taubert
vordere Reihe, von links nach rechts: Alina Tinnefeld, Thomas Behrend, Florian Wessels, Michael Grunert

Briefe an Trotzki 2

Die Russische Revolution und der darauf folgende Bürgerkrieg waren voller Tragik, und hatte viele Gesichter – heroische, abgründige, schöne, grausame, oder gar skurrile. Briefe, die von gewöhnlichen Menschen an den Revolutionsführer Leo Trotzki geschrieben wurden, sind ein Spiegel dieser widerspruchsvollen und spannungsgeladenen Zeit. Diese Briefe werden vom Ensemble des Theaterlabors in einer szenischen Collage zum Leben erweckt und legen Lebenswege, Abgründe und auch Kuriositäten offen.

„Briefe an Trotzki" ist eine Produktion, die mit bislang unbekanntem und jahrzehntelang in russischen Archiven verstaubtem Material arbeitet. Yuri B. Anderson, seit diesem Jahr im Jungen Ensemble des Theaterlabors, arbeitet im engen Austausch mit dem Historiker Gleb J. Albert, der an der Universität Bielefeld zur frühsowjetischen Geschichte promoviert. Bei Recherchen ist er durch Zufall auf einen bislang unerschlossenen Bestand von Briefen an Trotzki gestoßen. Sie bilden den Ausgangspunkt für die Produktion.

In den frühen 1920er Jahren erhielt Kriegskommissar Trotzki Zuschriften in vielen Sprachen und von verschiedensten Absendern – verzweifelte Bauern aus der tiefsten Provinz, flüchtige Bekannte aus der Exilzeit, treu ergebene Rotarmisten, ausländische Revolutionäre… Sie alle projizierten ihre Wünsche und Anliegen auf die Figur des großen Revolutionärs, der nur wenige Jahre später in Ungnade fallen und von Stalin vertrieben und ermordet werden sollte. Auf der Bühne gezeigt werden sollen die menschlichen Schicksale, die sich hinter diesen Texten verbergen – Geschichten, die sich in der Geschichte verstecken.
 

Pressestimme:

"Eine spannende Spurensuche fand am Donnerstag viel Zustimmung beim Premierenpublikum. Schmil Stein (überzeugend: Michael Grunert) ist ein gebeugter, alter Mann. Sein Sein Sohn starb in den Wirren der Revolution, nun leiden Vater Stein und seine erwachsene Tochter an Hunger und Armut. In seiner Verzweiflung macht sich der Alte von seinem Dorf aus auf den Weg ins ferne Moskau. Er will Trotzki seine Bittschrift persönlich überreichen. Aleksandra Anufriejewna (Stefanie Taubert gibt sie als personifizierte Verzweiflung) beklagt den Diebstahl ihrer Milchkuh durch Rotarmisten. Ihr Mann und ihre Kinder wurden eines Nachts mit Waffen bedroht von denen, die das post-zaristische Land eigentlich voranbringen sollten. Nun erweisen sie sich als plündernde Halunken. Demgegenüber trägt Rotarmistin Nadja Bogomolowa (Alina Tinnefeld mit herrischem Gebaren) ihre Ideale lautstark zu Markte, obwohl sie eigentlich längst verloren hat. Dann ist da noch die Australierin Harriet Frances Powell (die reale Figur wurde als Arbeiterführerin in ihrer Heimat berühmt). Sie sucht ihren Mann und vermutet, dass er in der russischen Revolution untergetaucht ist. Agnetha Jaunich gibt der Ehefrau eine Mischung aus Entschlossenheit und Hoffnungslosigkeit. Julius Weinberg (Thomas Behrend) befasst sich in kruden Publikationen mit der Schönheit russischer Frauen und sucht einen Fürsprecher, Willi Sommer (Florian Wessels) möchte die Revolution nach Deutschland transferieren. (...) Lukas Pergande spielt den Sekretär differenziert, vollzieht eine sehenswerte Entwicklung. Man sieht ihn zunächst gewissenhaft die Schreiben sortierend, dann schließlich überfordert, weil er erkennt, wie wenig Macht seinem Mentor und somit ihm selbst geblieben ist. (...) Die Idee, das vorgefundene Material in Bilder umzuwandeln, gelingt in dieser Produktion. (...) Lukas Pergande gefällt in der Rolle des Sekretärs Glasmann. Er gehört der jungen Generation der Theaterlaboranten an. Diese Verjüngung tut dem Ensemble gut - hier in zündender Kombination mit den erfahrenen, sicher agierenden Gründungs-Schauspielern. Eine sparsame Bühnenausstattung versetzt ins Russland Lenins, lenkt aber nicht ab vom Spiel der Darsteller. Ein gelungenes Regie-Debüt für Yuri Birte Anderson und eine Gelegenheit, ein erweitertes Theaterlabor-Ensemble in Aktion zu erleben." (Heike Krüger in der Neuen Westfälischen vom 16. März 2013)

Eine weitere Pressestimme ist unter diesem Link zu finden:

http://www.wsws.org/de/articles/2013/03/23/trot-m23.html



 Premiere am 14. März

 Weitere Spieltermine: 15.3.13, 16.3.13, 18.4.13, 19.4.13, 20.4.13 jeweils um 20:00 Uhr sowie 9.6.13 und 13.6.13 um 20:00 Uhr 


Im Mai bespielt das Theaterlabor die Stadt Gütersloh (siehe Platzwechsel), daher werden die Hausproduktionen in den Sommermonaten nicht so häufig zu sehen sein.

Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 08. Juni 2013 um 22:08 Uhr