Doppelgaenger PDF Drucken E-Mail

  Theaterlabor und One Yellow Rabbit Performancetheatre

DOPPELGAENGERS

Hintergrund

Theaterinszenierungen freier Theater werden häufig in Ensemblearbeit ohne Textvorlage erarbeitet. Diese Inszenierungen werden meist nur über einen kurzen Zeitraum gespielt und verschwinden dann, bleiben nur noch im Gedächtnis der Macher und des Publikums oder auf Videomitschnitten gespeichert. Text- oder Regiebücher werden selten aufgehoben. Nach der Auflösung eines Ensembles oder – im schlimmsten Fall - dem Ableben seiner Mitglieder sind die Inszenierungen unwiederholbar verschwunden.
Dieses Projekt widmet sich der Recherche von Wegen, dieser Situation entgegen zu wirken und das Erbe eines Ensembles lebendig zu halten. Grundidee ist, noch zu Wirkzeiten der Beteiligten einen Austausch und einen Transfer zu initiieren, um fertige Theaterproduktionen an andere Ensemble weiter zu geben.
In einem Modellprojekt will das Ensemble des Theaterlabors deshalb mit dem kanadischen Partner, dem One Yellow Rabbit Performance Theatre, über einen Zeitraum von zwei Jahren die Grundlagen für eine längerfristige Arbeit in diesem Bereich legen.

Projektpartner

One Yellow Rabbit (OYR), 1982 gegründet, ist eine der bekanntesten kanadischen Theatergruppen. Das OYR Ensemble – Blake Brooker, Andy Curtis, Denise Clarke, Michael Green und Richard McDowell – inszeniert jährlich mehrere Eigenproduktionen und tourte mit diesen mehrfach ausgezeichneten Inszenierungen durch Nordamerika, Australien, Asien und Europa. Bisher entstanden mehr als 75 Produktionen. Das Ensemble arbeitet dabei immer stark tänzerisch und körperorientiert, genreübergreifend – seine Arbeiten werden als experimentell, komisch und intellektuell beschrieben. Das kanadische Sverwe-Magazin beschrieb das Theaterlabor Bielefeld einmal als „Doppelgänger“ des kanadischen Ensembles. (lesenswerten Artikel hierherunterladen)

OYR veranstaltet weiterhin das jährlich stattfindende High Performance Rodeo Festival Calgary und das Summer Lab Intensive, ein Ausbildungszentrum für Theaterschaffende.

Austausch und Projektvorbereitungen 2011/12

Zunächst besuchte das Theaterlabor im Januar 2011 die kanadischen Partner und führte die Produktion „Absurdesque“ dreimal auf dem Festival „High Performance Rodeo“ in Calgary auf. Hier wurden auch Gespräche über das gemeinsame Projekt mit One Yellow Rabbit geführt. Zudem gab es einen Abstecher auf das Pivot-Festival in Whitehorse. Dort wurde die Produktion „Absurdesque“ einmal aufgeführt, außerdem hat ein Workshop mit dem Nakai Theatre und eine Lectureperformance stattgefunden. Ein weiterer Abstecher führte das Theaterlabor nach Edmonton auf das „Canoe-Festival“, wo ein Workshop mit Studenten und eine Lectureperformance durchgeführt wurde und „Absurdesque“ dreimal aufgeführt wurde.

Ein erster Gegenbesuch der Kanadier findet im Februar 2012 im Theaterlabor statt. One Yellow Rabbit kommt dann mit den Produktionen „Gilgamesh La-Z-Boy“ und „Sign Language“ sowie einer Präsentation ihrer Arbeit mit Szenenausschnitten und Videobeispielen nach Bielefeld. Gleichzeitig werden die Planungen der beiden Transferproduktionen fertiggestellt.


Transferproduktionen 2012/13

Der nächste Zyklus der Kooperation setzt auf eine neue Form von Kulturtransfer und gleichzeitig geht es um eine spezifische Form des kulturellen Erbes in der experimentellen Theaterarbeit.

Da sich die Aufführungen beider Ensembles auf einem ähnlich komplexen Level befinden wie das z.B. beim Tanztheater der Fall ist, reicht es für einen Transfer nicht aus, das jeweilige geschriebene Theaterstück in dem anderen Land zu inszenieren. Viele Produktionen sind überhaupt nicht schriftlich fixiert. Die Bewegungen, Handlungen, Ausdrucksformen und auch der spezifische Umgang mit Texten formen eine eigene Theatersprache, die nur diejenigen vermitteln können, die sie für das jeweilige Stück entwickelt haben.
Die beiden Theater werden jeweils im anderen Land eine Produktion aus dem eigenen Repertoire mit ortsansässigen Schauspielern inszenieren, die Methode, die Techniken und die spezifische Bühnensprache und Ästhetik entwickeln.
Das von den Kanadiern in Bielefeld produzierte Stück soll dann in NRW in verschiedenen Theaterzentren und während des "360°“-Festivals zu sehen sein. Umgekehrt geht das vom Theaterlabor mit kanadischen Schauspielern in Calgary inszenierte eigene Stück auf Tournee durch Kanada.

„Smash Cut Freeze“

Das Ensemble des Theaterlabors hatte die Inszenierung in Calgary gemeinsam gesehen und hat sich entschieden, diese Produktion ins Deutsche zu übertragen und in Bielefeld zu inszenieren. Das Canadas Arts Council hat dem Theaterlabor bereits die Übernahme der Übersetzungskosten zugesichert und so wird nach einer ersten Workshopwoche im September 2011 im Februar 2012 ein Treffen aller teilnehmenden Schauspieler mit der Regisseurin Denise Clark in Bielefeld stattfinden. Hier werden alle Detailfragen für die Vorbereitung des Bühnenbildes, Lichtdesigns und der Kostüme besprochen. Gleichzeitig werden die letzten Korrekturen des Textes erarbeitet.
Da sich das Ensemble auf Tour befindet, zeigt One Yellow Rabbit die Produktion „Gilgamesh“ - nach einer Festivalteilnahme in Teheran – als deutsche Erstaufführung.


Mutter, Vater, Sohn. Es gibt nichts einfacheres – aber sieht man über den weißgestrichenen Holzzaun, sieht man die Splitter eines neurotischen Bündels von Familiengeheimnissen. Inspiriert von dem Film „The Member of Wedding“ wird man in die
Zeit der fünfziger Jahre zurückversetzt. Denise Clarke macht die familiäre Dysfunktion zum vergnüglichen Erlebnis – und das ganze in Schwarz-Weiß.

Die deutschsprachige Erstaufführung findet in Bielefeld statt und danach soll dieses Stück auf Deutschlandtournee gehen.

 

Im November/Dezember des Jahres 2012 wird die Produktion "Schlachtertango" des Theaterlabors unter der Leitung von Siegmar Schröder und Michael Grunert in Calgary inszeniert, im Januar 2013 auf dem „High Performance Rodeo“ Theaterfestival aufgeführt und auf Tournee durch Kanada gehen.