Plastik Play plus PDF Drucken E-Mail

Plastic Play Plus 

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Premierenbesprechung in der Neuen Westfälischen vom 15.3.2004

"Alles Plastik!

Premiere von "PlastikPlay plus" im Theaterlabor begeistert aufgenommen

Von Heike Krüger

Bielefeld. Was passiert, wenn man Alltagsgegenstände aus ihren gewohnten Zusammenhängen befreit? Eine Kunststofftasche wird Kopfbedeckung, Toilettenpümpel kleben an nackter Haut. Ein simpler Plastikschemel, der sonst ein Schattendasein fristet, wird zum Präsentationsobjekt. Im Theaterlabor feierte am Samstag die Collage "PlastikPlay plus" Premiere. Vor ausverkauftem Haus gingen die Akteure in 26 Sequenzen dem Werkstoff Plastik ausgesprochen einfallsreich auf den Grund. "Sein oder Design" war der vielsagende Arbeitstitel, unter dem die Theaterlaboranten ihre Performance PlastikPlay zu einem abendfüllenden Stück ausbauten. Die Inszenierung ist der 2003 verstorbenen Schauspielerin Angelika Göken gewidmet. Mundstücke aus Kunststoff – drei Akteuren als einzige Requisiten mit auf den Weg gegeben - geben kraft ihrer Formen den Gesichtsausdruck des Trägers zwingend vor. Design bestimmt eben das Bewusstsein. Oder immerhin das, was davon nach außen dringt. Die schwafelnde Abendgesellschaft, die hinter distinguierter Fassade Abscheu und Langeweile verbirgt. In krassem Gegensatz dazu die jugendlichen Drogenkonsumenten mit Fäkaljargon - beide Gruppen markieren mit hülsenhafter Sprache die Zugehörigkeit zu einer speziellen Gruppe. Acht Schauspielerinnen und Schauspieler arbeiten unter der Regie von Siegmar Schröder alles ab, was ihnen unter dem Oberbegriff Kunststoff und Künstlichkeit so alles in den Sinn gekommen ist. Was ist echt, was Schein? Dabei, so heißt es im Programm, wird unsere "Utopie von einem freien, selbstbestimmten Leben ironisiert, in dem in Wirklichkeit sogar der Aufdruck einer Mülltüte grafisch gestaltet ist". Vom hehren Anspruch einmal abgesehen, ist diese Collage vor allem ein Seh-Erlebnis von großer Innovationskraft. In jeder Sequenz entwickelt die Truppe ein Gemälde von ungewohnter Ästhetik. Die verwendeten Plastikrequisiten scheinen fertig und werden doch in jedem Moment neu erschaffen. Damenstrumpfhosen, über Köpfe und Leiber gezogen, können innige Verbundenheit, aber auch furchteinflößende Verstrickung symbolisieren. Mit Helium gefüllte Gelbe Säcke, die schwebend ein Eigenleben entwickeln, interagieren mit den Darstellern. Sie sorgen fürs Meditative im Programm, sind wunderschön anzuschauen. Eine wilde Modenschau mit Kostümen aus den Plastikartikeln des Alltags versetzt die Zuschauer in Verzückung. Tanzende Leerrohre, leuchtende Quietsche-Enten, Szenen einer Ehe in Routine erstarrt, das Innenleben eines Müllcontainers oder abwaschbare Kopien der Natur: Dem Einfallsreichtum der Theatermacher sind keine Grenzen gesetzt. Hier wird zitiert, assoziiert, werden neue Kontexte geschaffen und das in schneller Folge. Auch wenn man dem Fazit der fürchterlich fröstelnden Frau in einer der letzten Szenen: "Design ist Kunst, die aus der Kälte kommt!" nicht ganz zustimmen mag - PlastikPlay plus ist eine Einladung zum Querdenken und dazu einfach ein sinnliches Erlebnis."

Wir danken Florian Ladstätter für die Leihgabe einiger Schmuckstücke ( www.joyellery.de ),
Richard Hutten für die Leihgabe der Sitzobjekte ( www.richardhutten.com ) und der Firma Sulo für überlassung der Müllobjekte.

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